Der Grüne Knopf ist das staatliche Siegel der Bundesregierung für nachhaltig hergestellte Textilien. Er prüft zwei Dinge: ob ein Unternehmen seine menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten in der Lieferkette erfüllt und ob das konkrete Produkt mit anerkannten Siegeln sozial und ökologisch hergestellt wurde. Hier erfährst du, was im aktuellen Standard 2.0 steckt, welche Kritik es gibt, welche Marken dabei sind und was sich mit dem Grünen Knopf 3.0 ab 2027 ändern soll.
Auf einen Blick
- Herausgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
- Seit: 9. September 2019, aktuell gilt der Standard 2.0 (in der Fassung 2.0.1)
- Prüft: Sorgfaltspflichten des Unternehmens plus Produktanforderungen über anerkannte Siegel
- Geltungsbereich: Zuschneiden und Nähen, Bleichen und Färben, seit August 2026 auch Fasern und Materialien
- Kontrolle: unabhängige Prüfstellen, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassen sind
- Offizielle Infos: Kriterienübersicht auf gruener-knopf.de
Was ist der Grüne Knopf?
Der Grüne Knopf ist ein sogenanntes Meta-Siegel. Er erfindet die Anforderungen an die Produktion nicht komplett neu, sondern baut auf bestehenden, glaubwürdigen Textilsiegeln auf. Dazu kommt eine eigene Prüfung des Unternehmens: Wer den Knopf nutzen will, muss nachweisen, dass er Risiken für Menschen und Umwelt in seiner Lieferkette systematisch erkennt und angeht.
Vorgestellt wurde das Siegel am 9. September 2019 vom damaligen Entwicklungsminister Gerd Müller. Laut Stiftung Warentest startete es mit 27 Unternehmen. Hintergrund war unter anderem der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch 2013, nach dem der Druck auf Politik und Modebranche stark gewachsen war.
Wichtig für dich beim Einkauf: Der Knopf hängt an einzelnen Produkten, nicht an ganzen Marken. Ein Unternehmen kann also lizenziert sein und trotzdem Kleidung ohne Grünen Knopf verkaufen.
Welche Kriterien gelten beim Grünen Knopf 2.0?
Seit dem Standard 2.0, der 2022 veröffentlicht wurde, sind die Anforderungen deutlich breiter als in der ersten Version. Sie teilen sich in zwei Säulen.
Säule 1: Unternehmerische Sorgfaltspflichten
Das Unternehmen selbst wird geprüft. Der Standard orientiert sich an fünf Kernelementen:
- Grundsatzerklärung: Das Unternehmen bekennt sich öffentlich zu seiner Verantwortung entlang der Lieferkette.
- Risikoanalyse: Es identifiziert und priorisiert mögliche und tatsächliche Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt, seit 2.0 für die gesamte Textil-Lieferkette bis zur Rohstoffgewinnung.
- Maßnahmen: Es ergreift wirksame Schritte, um erkannte Risiken zu verhindern oder abzumildern.
- Berichterstattung: Es berichtet öffentlich und nachvollziehbar über diesen Prozess.
- Beschwerdemechanismen: Es sorgt dafür, dass Betroffene Zugang zu wirksamen Beschwerdewegen haben.
Neu in 2.0 sind außerdem Schritte in Richtung existenzsichernder Löhne. Die Geschäftsleitung muss sich dazu bekennen, und Unternehmen müssen für das Zuschneiden und Nähen analysieren, wie groß die Lücke zwischen gezahltem Lohn und einem existenzsichernden Lohn ist. In den Folgeprüfungen müssen sie Fortschritte berichten. Zusätzlich soll Nachhaltigkeitsleistung bei mindestens einer Führungskraft in die Vergütung einfließen.
Säule 2: Anforderungen an das Produkt
Für das Produkt verlangt der Grüne Knopf den Nachweis über anerkannte Siegel. Geregelt sind drei Stufen:
- Zuschneiden und Nähen: etwa Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, Arbeitssicherheit, Begrenzung der Arbeitszeit, feste Arbeitsverträge
- Bleichen und Färben: etwa Verbot gefährlicher Chemikalien und Anforderungen an Abwasser
- Fasern und Materialien: zum Beispiel kein gentechnisch verändertes Baumwoll-Saatgut, Viskose und andere Fasern auf Pflanzenbasis nur aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Vorrang für recycelte oder kreislauffähige Materialien
Neue synthetische Fasern wie frisches Polyester sind nur in Ausnahmefällen zulässig. Die Faser- und Materialanforderungen hatten eine lange Übergangsfrist: Das BMZ hat sie im März 2024 bis zum 31. Juli 2026 verlängert. Seitdem sind sie verbindlich.
Welche Siegel erkennt der Grüne Knopf an?
Welche Siegel als Nachweis zählen, prüft der Grüne Knopf in einem eigenen Anerkennungsverfahren, getrennt nach Produktionsstufe. Zu den anerkannten Siegeln gehören laut den Pressemitteilungen des Grünen Knopfs unter anderem:
- GOTS (seit Dezember 2023 auch für Konfektion und Nassprozesse, außerdem für pflanzliche und tierische Fasern)
- OEKO-TEX MADE IN GREEN (mehr dazu in unserem OEKO-TEX-Erklärer)
- Fairtrade Textile Production und Fairtrade Cotton (siehe Fairtrade-Siegel)
- Naturtextil IVN zertifiziert BEST, bluesign PRODUCT, Cotton made in Africa
- Blauer Engel, FSC und PEFC (für bestimmte Bereiche anerkannt)
Die vollständige und aktuelle Liste veröffentlicht der Grüne Knopf als Download auf seiner Website. Sie ändert sich, wenn neue Siegel anerkannt werden.
Wer prüft und wie oft?
Geprüft wird nicht vom Ministerium selbst, sondern von unabhängigen Prüfstellen. Aktuell sind das laut Grüner Knopf Control Union, DIN CERTCO, Hohenstein Laboratories und TÜV Nord. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht wiederum diese Prüfstellen.
Ein Zertifikat gilt drei Jahre. Dazwischen finden jährliche Kontrollprüfungen statt, danach ist eine vollständige Rezertifizierung nötig. Die Auditorinnen und Auditoren durchlaufen eine eigene Schulung mit Abschlussprüfung.
Welche Marken haben den Grünen Knopf?
Die Liste der lizenzierten Unternehmen veröffentlicht der Grüne Knopf selbst. Stand 30.09.2026 stehen dort rund 50 Unternehmen. Viele davon kommen aus Berufskleidung, Hotel- und Heimtextilien, einige sind aber auch bekannte Namen im Modehandel. Eine Auswahl:
| Unternehmen | Bereich |
|---|---|
| Tchibo | Textilien im wechselnden Non-Food-Sortiment |
| VAUDE | Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung |
| Trigema | Sport- und Freizeitbekleidung |
| Eterna | Hemden und Blusen |
| Deuter | Rucksäcke und Schlafsäcke |
| Fond Of | Rucksäcke und Taschen |
| Melawear | Basics und Taschen |
| SNOCKS | Socken, Unterwäsche, Sportbekleidung |
| People Wear Organic | Baby- und Kinderkleidung |
| memo | Versandhandel mit nachhaltigen Produkten |
| Hakro, Greiff, Karlowsky | Berufs- und Teamkleidung |
Die Liste verändert sich laufend. Prüfe deshalb vor dem Kauf direkt auf gruener-knopf.de, ob ein Unternehmen aktuell dabei ist, und achte auf das Siegel am jeweiligen Produkt.
Kritik am Grünen Knopf: Was sind die Schwachstellen?
Der Grüne Knopf war von Anfang an umstritten. Die wichtigsten Kritikpunkte von Organisationen wie der Kampagne für Saubere Kleidung und FEMNET:
- Mindestlohn statt existenzsichernder Lohn: In vielen Produktionsländern reicht der gesetzliche Mindestlohn nicht zum Leben. FEMNET-Gründerin Gisela Burckhardt sagte 2022 gegenüber welt-sichten, existenzsichernde Löhne seien in den meisten Ländern drei bis vier Mal höher als der Mindestlohn. Standard 2.0 verlangt zwar Lohnlückenanalysen, aber keine echten Lohnerhöhungen.
- Anfangs nur die letzten Produktionsstufen: In Version 1.0 wurden nur Nähen sowie Bleichen und Färben geprüft, nicht der Baumwollanbau oder die Faserherstellung. Das hat sich mit 2.0 geändert, die Faseranforderungen gelten aber erst seit August 2026 verbindlich.
- Allgemeine Risikoberichte: Eine Auswertung von FEMNET und Public Eye aus dem Jahr 2020 kam zu dem Ergebnis, dass viele Unternehmen Risiken nur sehr allgemein benannten und kaum konkrete Abhilfe beschrieben.
- Freiwilligkeit: Die Kampagne für Saubere Kleidung hält freiwillige Siegel grundsätzlich für den falschen Ansatz und fordert verbindliche gesetzliche Regeln für alle Unternehmen.
- Audits haben Grenzen: Kritiker bemängeln, dass Prüfungen durch Dritte Arbeitsrechtsverletzungen nicht zuverlässig aufdecken.
Unterm Strich: Der Grüne Knopf ist ein Mindeststandard mit staatlicher Kontrolle, aber kein Garant für faire Löhne. Wer mehr will, schaut zusätzlich auf strengere Siegel wie GOTS oder IVN BEST oder auf Mitgliedschaften wie die Fair Wear Foundation.
Grüner Knopf 3.0: Was ändert sich ab 2027?
Der Standard wird gerade überarbeitet. Laut Grüner Knopf sieht der Zeitplan so aus:
- Dezember 2025: öffentlicher Auftakt der Revision
- 16. März bis 17. Juni 2026: öffentliche Konsultation mit über 170 Beteiligten, unter anderem bei Runden Tischen in Berlin, Bonn, Brüssel, Faisalabad und Lahore
- Ende 2026: Fertigstellung des Standards 3.0
- Frühjahr 2027: erwartete Einführung, danach eine Übergangsphase
Inhaltlich soll sich der Grüne Knopf 3.0 auf die unternehmerischen Sorgfaltspflichten konzentrieren und den Meta-Siegel-Ansatz aufgeben. Mehr Gewicht bekommen Umwelt-Sorgfaltspflichten, Klima, kreislauffähiges Design, existenzsichernde Löhne und Geschlechtergerechtigkeit. Die Indikatoren sollen schlanker und besser an internationale Sorgfaltspflicht-Standards angepasst werden. Bis 3.0 in Kraft tritt, gelten die aktuellen Kriterien weiter.
Grüner Knopf oder GOTS: Was ist der Unterschied?
Beide Siegel verfolgen unterschiedliche Ansätze. Der Grüne Knopf bewertet vor allem das Unternehmen und stützt sich beim Produkt auf andere Siegel. GOTS ist ein Produktstandard für Textilien aus Bio-Naturfasern mit eigenen, sehr detaillierten Umwelt- und Sozialkriterien.
| Kriterium | Grüner Knopf 2.0 | GOTS |
|---|---|---|
| Träger | BMZ (staatlich) | Global Standards gGmbH (gemeinnützig, privat) |
| Ansatz | Unternehmensprüfung plus anerkannte Siegel | Eigener Produktstandard über die ganze Verarbeitungskette |
| Bio-Fasern | Nicht zwingend | Mindestens 70 %, für das Label „Organic“ mindestens 95 % |
| Löhne | Mindestlohn über anerkannte Siegel, dazu Lohnlückenanalyse | Lohnlückenanalyse und Plan zur Zahlung existenzsichernder Löhne (laut Version 8.1) |
| Materialien | Alle Textilien, auch Synthetik unter Bedingungen | Nur Textilien mit überwiegend Bio-Naturfasern |
In der Praxis ergänzen sich die beiden: GOTS ist ein anerkanntes Siegel für den Grünen Knopf. Ein Produkt kann also beide tragen. Einen Überblick über weitere Labels findest du in unserem Siegel-Bereich.
So prüfst du ein Produkt mit Grünem Knopf
- Schau auf das Etikett oder die Produktbeschreibung: Der Knopf gehört zum konkreten Artikel.
- Gleiche den Hersteller mit der offiziellen Unternehmensliste ab.
- Prüfe, welche zusätzlichen Siegel das Produkt trägt, etwa GOTS oder Fairtrade. Sie sagen dir mehr über Material und Produktion.
- Wenn du unsicher bist, frag beim Händler nach dem Zertifikat. Seriöse Anbieter können das beantworten.
Und denk daran: Das nachhaltigste Kleidungsstück ist oft eines, das du lange trägst. Warum Masse das eigentliche Problem ist, liest du in unserem Beitrag zu Fast Fashion.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Grüne Knopf?
Der Grüne Knopf ist das staatliche Textilsiegel des BMZ. Er zeigt, dass ein Unternehmen seine Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umwelt in der Lieferkette nachweislich erfüllt und dass das Produkt mit anerkannten Siegeln sozial und ökologisch hergestellt wurde.
Welche Kritik gibt es am Grünen Knopf?
Kritisiert wird vor allem, dass nur der Mindestlohn und keine existenzsichernden Löhne verlangt werden, dass die Rohstoffstufe lange nicht verbindlich geprüft wurde, dass Risikoberichte oft allgemein bleiben und dass das Siegel freiwillig ist.
Welche Marken haben den Grünen Knopf?
Laut offizieller Liste (Stand 30.09.2026) gehören unter anderem Tchibo, VAUDE, Trigema, Eterna, Deuter, Fond Of, Melawear, SNOCKS und People Wear Organic dazu. Der Knopf gilt aber immer nur für einzelne Produkte, nicht für das ganze Sortiment.
Was ist der Grüne Knopf 2.0?
Die 2022 veröffentlichte zweite Version des Standards. Sie erweitert die Risikoanalyse auf die gesamte Lieferkette, führt Lohnlückenanalysen ein und ergänzt Anforderungen an Fasern und Materialien, die seit August 2026 verbindlich sind.
Wann kommt der Grüne Knopf 3.0?
Laut Grüner Knopf soll der Standard 3.0 Ende 2026 fertig sein und voraussichtlich im Frühjahr 2027 eingeführt werden, mit einer anschließenden Übergangsphase.
Ist der Grüne Knopf besser als GOTS?
Nicht besser, sondern anders. GOTS stellt strengere Anforderungen an Material und Chemie, gilt aber nur für Bio-Naturfasern. Der Grüne Knopf prüft zusätzlich das Unternehmen und nutzt GOTS als einen möglichen Nachweis.
Quellen
- Grüner Knopf: Das staatliche Siegel für nachhaltige Textilien (BMZ)
- Grüner Knopf: Überblick Kriterien
- Grüner Knopf: Unternehmerische Sorgfaltspflichten
- Grüner Knopf: Produktionsprozesse und Fasern
- Grüner Knopf: Prüfsystem
- Grüner Knopf: Lizenzierte Unternehmen
- Grüner Knopf: Verlängerung der Übergangsfrist für Faser- und Materialanforderungen (01.03.2024)
- Grüner Knopf: Standard 2.0.1 (30.09.2024)
- Grüner Knopf: GOTS als Siegel für den Grünen Knopf 2.0 anerkannt (19.12.2023)
- Grüner Knopf: Revision zum Standard 3.0
- Stiftung Warentest: Grüner Knopf startet mit 27 Firmen
- Utopia: Grüner Knopf, was taugt das erste staatliche Siegel für nachhaltige Kleidung?
- welt-sichten: Streit über den Grünen Knopf 2.0 (29.11.2022)
- Kampagne für Saubere Kleidung: Hält der Grüne Knopf, was er verspricht?
- Wikipedia: Grüner Knopf
- Verbraucherzentrale: Faire Kleidung, das bedeuten die Siegel



