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Viskose: Eigenschaften, Umweltbilanz und Alternativen

Fließender rosafarbener Viskosestoff über einem Holzstuhl, daneben Zellstoff

Viskose ist eine Chemiefaser aus Zellulose, die meist aus Holz gewonnen und mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff zu Fasern verarbeitet wird. Der Stoff ist weich, fließend und angenehm auf der Haut, seine Umweltbilanz hängt aber stark davon ab, wie sauber die Fabrik arbeitet und woher das Holz stammt.

Hier erfährst du, wie Viskose hergestellt wird, welche Eigenschaften sie hat, warum sie beim Waschen empfindlich ist, wie nachhaltig sie wirklich ist und welche besseren Alternativen es gibt.

Auf einen Blick

  • Rohstoff: Chemiezellstoff aus Holz (z. B. Buche, Fichte, Eukalyptus, Pinie), Bambus oder Baumwoll-Linters
  • Fasertyp: Regeneratfaser (Chemiefaser aus natürlichem Rohstoff), Kurzzeichen CV
  • Andere Namen: Rayon (vor allem im Englischen), früher auch Kunstseide
  • Eigenschaften: weich, glatt, fließender Fall, nimmt viel Feuchtigkeit auf, lässt sich gut färben, knittert stark, im nassen Zustand deutlich weniger fest
  • Pflege: Schonwaschgang mit niedriger Temperatur, nicht auswringen, liegend oder auf dem Bügel trocknen
  • Marktanteil: rund 6,7 Mio. Tonnen im Jahr 2024, etwa 5 % der weltweiten Faserproduktion

Was ist Viskose?

Viskose ist die mit Abstand wichtigste Faser aus regenerierter Zellulose. Laut Textile Exchange wurden 2024 rund 6,7 Millionen Tonnen Viskose hergestellt. Das sind etwa 80 % aller Zellulose-Chemiefasern und rund 5 % der gesamten globalen Faserproduktion. Zum Vergleich: Polyester kommt auf etwa 59 %, Baumwolle auf rund 19 %.

Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 definiert Viskose als regenerierte Zellulosefaser, die nach dem Viskoseverfahren hergestellt wird. Auf dem Etikett darf deshalb nur „Viskose“ stehen, auch wenn der Zellstoff aus Bambus stammt. Die Verbraucherzentrale NRW weist ausdrücklich darauf hin, dass Bezeichnungen wie „Bambusfaser“ für solche Textilien irreführend sind.

Viskose ist also weder eine Naturfaser wie Baumwolle noch eine Kunstfaser aus Erdöl wie Polyester. Man spricht oft von einer halbsynthetischen Faser: Der Rohstoff ist natürlich, die Faser entsteht in einem chemischen Prozess.

Wie wird Viskose hergestellt?

Das Verfahren geht auf die britischen Chemiker Charles Frederick Cross und Edward John Bevan zurück, die es Anfang der 1890er Jahre entwickelten. Im Kern läuft es bis heute so ab:

  1. Chemiezellstoff: Aus Holz oder anderen Pflanzen wird besonders reiner Zellstoff gewonnen.
  2. Alkalisieren: Der Zellstoff wird in Natronlauge getränkt, dabei entsteht Alkalizellulose.
  3. Xanthogenieren: Mit Schwefelkohlenstoff (CS₂) wird daraus Zellulosexanthogenat, eine lösliche Zwischenverbindung.
  4. Lösen: In verdünnter Natronlauge entsteht eine zähe, honigartige Masse: die eigentliche „Viskose“, die der Faser ihren Namen gibt.
  5. Spinnen: Die Masse wird durch feine Düsen in ein Spinnbad mit Schwefelsäure gepresst. Dort wird die Zellulose zurückgebildet und erstarrt zu Fäden.
  6. Nachbehandeln: Die Fäden werden gewaschen, gestreckt, getrocknet und als Endlosfaser oder geschnittene Spinnfaser weiterverarbeitet.

Kritisch ist vor allem der dritte und fünfte Schritt. Beim Spinnen wird Schwefelkohlenstoff wieder frei. In modernen Anlagen wird er abgesaugt und größtenteils zurückgewonnen. Wo das nicht konsequent passiert, gelangen Chemikalien in Luft und Abwasser. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus hält fest, dass hohe CS₂-Konzentrationen in Luft und Wasser Mensch und Umwelt schaden können. Die Verbraucherzentrale NRW beschreibt Schwefelkohlenstoff als nervenschädigend.

Welche Eigenschaften hat Viskose?

Chemisch ähnelt Viskose der Baumwolle, denn beide bestehen aus Zellulose. Im Alltag verhält sich Viskose aber anders: Sie ist glatter, glänzt leicht und fällt weicher.

Vorteile von Viskose

  • Angenehmer Griff: weich, glatt und fließend, daher beliebt für Blusen, Kleider, Röcke und Futterstoffe.
  • Hohe Feuchtigkeitsaufnahme: Im Normalklima nimmt die Faser etwa 11 bis 14 % Feuchtigkeit auf und übertrifft damit Baumwolle.
  • Gut färbbar: Viskose nimmt Farbstoffe sehr gut an, Drucke wirken brillant.
  • Temperaturausgleichend: Leichte Viskosestoffe fühlen sich im Sommer kühl an.
  • Günstig: Viskose ist in der Regel preiswerter als Seide, Lyocell oder Modal.

Nachteile von Viskose

  • Empfindlich im nassen Zustand: Die Nassreißfestigkeit liegt nur bei etwa 45 bis 65 % der Trockenfestigkeit. Bei Baumwolle ist es umgekehrt, sie wird nass sogar fester.
  • Knittert stark: Die Faser ist wenig elastisch, Falten entstehen schnell.
  • Geringe Scheuerfestigkeit: Vor allem nass kann die Oberfläche durch Reibung leiden.
  • Kann einlaufen: Wird die gequollene Faser zu warm gewaschen oder stark bewegt, verändert sich die Form leicht.
  • Trocknet langsam: Das hohe Wasserrückhaltevermögen führt zu relativ langen Trockenzeiten.
  • Problematische Herstellung: Chemikalieneinsatz und Holzherkunft sind die Schwachstellen der Umweltbilanz.

Viskose im Vergleich mit anderen Fasern

Viskose hat mehrere Geschwister aus Zellulose. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede, dazu Baumwolle und Polyester als bekannte Referenzen.

Kriterium Viskose Modal Lyocell Baumwolle Polyester
Rohstoff Zellulose aus Holz, Bambus u. a. Zellulose, oft aus Buchenholz Zellulose, meist aus Holz Baumwollpflanze Erdöl oder recycelte PET-Flaschen
Verfahren Viskoseverfahren mit CS₂ abgewandeltes Viskoseverfahren Lösungsmittel NMMO im Kreislauf Anbau und Spinnen Schmelzspinnen
Festigkeit nass deutlich geringer hoch hoch höher als trocken hoch
Feuchtigkeitsaufnahme hoch hoch hoch hoch sehr gering
Knitterneigung hoch geringer gering mittel bis hoch sehr gering
Biologisch abbaubar ja ja ja ja nein

Wenn du tiefer einsteigen willst: Wir erklären auch Lyocell mit Herstellung und Pflege und den Unterschied zwischen Modal und Viskose im Detail.

Viskose oder Baumwolle: Was ist besser?

Beide Fasern sind atmungsaktiv und biologisch abbaubar. Viskose fällt fließender und fühlt sich kühler an, Baumwolle ist robuster und verträgt heißere Wäsche. Ökologisch hat keine der beiden per se die Nase vorn: Konventionelle Baumwolle braucht im Anbau viel Wasser und oft Pestizide, konventionelle Viskose belastet Umwelt und Arbeitende, wenn Chemikalien nicht sauber im Kreislauf geführt werden. Den Unterschied machen Bio-Anbau bei Baumwolle und saubere Produktion samt verantwortungsvoller Holzherkunft bei Viskose.

Polyester oder Viskose?

Viskose nimmt Feuchtigkeit auf, Polyester so gut wie gar nicht. Dafür ist Polyester strapazierfähiger, knittert kaum und trocknet schnell. Beim Waschen gibt Polyester Mikroplastik ab, Viskose als Zellulosefaser nicht. Für Kleidung, die direkt auf der Haut liegt, empfinden viele Menschen Viskose als angenehmer.

Ist Viskose nachhaltig?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Der Rohstoff ist nachwachsend und die Faser biologisch abbaubar, das spricht für Viskose. Gegen konventionelle Viskose sprechen zwei Punkte.

Chemikalien und Abwasser: Die Stiftung Changing Markets dokumentierte in ihrem Bericht „Dirty Fashion“ 2017 Umweltverschmutzung rund um Viskosefabriken in Indonesien, China und Indien und zeigte Lieferbeziehungen zu großen Modemarken auf. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass Natronlauge Gewässer belastet und Schwefelsäure zu saurem Regen beiträgt.

Holzherkunft: Für Zellstoff werden Bäume gefällt. Die Organisation Canopy bewertet deshalb mit ihrem Hot Button Report jedes Jahr, ob Faserhersteller Holz aus alten und gefährdeten Wäldern ausschließen und in Alternativen wie recycelte Textilien investieren. Recycelte Rohstoffe spielen bisher kaum eine Rolle: Laut Textile Exchange stammten 2024 nur rund 1,1 % der Zellulose-Chemiefasern aus recyceltem Material.

Woran du bessere Viskose erkennst

  • EU Ecolabel: Das Umweltzeichen der EU stellt Anforderungen an Emissionen der Faserherstellung. Die Marke LENZING™ ECOVERO™ gibt an, die erste Viskose gewesen zu sein, die von Beginn an das EU Ecolabel trug.
  • Transparente Holzherkunft: FSC- oder PEFC-zertifiziertes Holz und eine gute Bewertung im Canopy-Report sind positive Signale.
  • Textilsiegel: OEKO-TEX Standard 100 prüft das fertige Textil auf Schadstoffe, sagt aber nichts über die Faserherstellung. GOTS lässt Viskose nur in begrenztem Anteil neben Bio-Naturfasern zu und stellt Anforderungen an die Verarbeitung.
  • Faire Produktion: Für Arbeitsbedingungen in der Konfektion helfen Siegel wie der Grüne Knopf.

Alternativen zu Viskose

Wenn du den fließenden Griff magst, aber auf konventionelle Viskose verzichten willst, sind Lyocell (Lösungsmittel im Kreislauf), Modal von Herstellern mit transparenten Angaben oder Viskose mit EU Ecolabel naheliegende Alternativen. Für Sommerkleidung lohnt auch ein Blick auf Leinen oder Bio-Baumwolle. Und oft ist Second Hand die beste Lösung, denn ein bereits produziertes Kleid verursacht keine neue Faserherstellung. Warum Menge und Tempo in der Mode das größere Problem sind, zeigt unser Beitrag über Fast Fashion.

Viskose waschen und pflegen

Weil Viskose im nassen Zustand viel Festigkeit verliert, ist die Wäsche der kritische Moment. So bleibt dein Lieblingsteil in Form:

  • Etikett beachten: Manche Viskosestoffe sind nur für Handwäsche oder chemische Reinigung ausgelegt.
  • Niedrige Temperatur: Meist sind 30 °C im Schon- oder Feinwaschgang richtig.
  • Wenig Reibung: Trommel nur halb füllen, Teil auf links drehen, bei Bedarf ein Wäschenetz nutzen.
  • Feinwaschmittel: Mild dosieren, auf Bleichmittel verzichten.
  • Nicht auswringen: Wasser nur sanft ausdrücken oder in ein Handtuch rollen.
  • Schonend trocknen: Liegend oder auf einem Bügel an der Luft trocknen, nicht in den Trockner, außer das Etikett erlaubt es.
  • Bügeln: Auf links, mit mittlerer Temperatur und am besten leicht feucht oder mit Dampf.

Ist ein Teil doch eingelaufen, lässt es sich manchmal im feuchten Zustand vorsichtig in Form ziehen. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es kreative Wege beim Upcycling alter Kleidung.

Mehr Fasern im Überblick findest du im Bereich Materialien.

Häufige Fragen

Ist Viskose ein gutes Material?

Für den Tragekomfort ja: Viskose ist weich, fließend und nimmt viel Feuchtigkeit auf. Schwächen sind die geringe Festigkeit im nassen Zustand, die starke Knitterneigung und eine Herstellung, die ohne gute Umwelttechnik Luft und Wasser belastet. Achte auf Viskose mit EU Ecolabel oder auf Alternativen wie Lyocell.

Warum schwitzt man in Viskose?

Viskose nimmt Feuchtigkeit gut auf, gibt sie aber langsam wieder ab, weil die Faser viel Wasser zurückhält. Ist der Stoff gesättigt, fühlt er sich feucht an und kann am Körper kleben. Häufig ist Viskose außerdem mit Polyester oder Elastan gemischt, was die Atmungsaktivität verringert.

Was ist besser, Viskose oder Baumwolle?

Viskose fällt fließender und fühlt sich kühler an, Baumwolle ist robuster und verträgt heißere Wäsche. Ökologisch entscheiden die Details: Bio-Baumwolle und Viskose aus sauberer Produktion mit verantwortungsvoller Holzherkunft sind die besseren Varianten.

Was ist besser, Polyester oder Viskose?

Für hautnahe Kleidung ist Viskose meist angenehmer, weil sie Feuchtigkeit aufnimmt und kein Mikroplastik abgibt. Polyester ist dafür strapazierfähiger, knitterarm und trocknet schneller. Die Umweltprobleme liegen bei Viskose in der Herstellung, bei Polyester im fossilen Rohstoff und im Mikroplastik.

Bei wie viel Grad wäscht man Viskose?

Meist bei 30 °C im Schon- oder Feinwaschgang, mit halb gefüllter Trommel und niedriger Schleuderzahl. Entscheidend ist immer das Pflegeetikett, denn manche Stoffe sind nur für Handwäsche geeignet.

Quellen

  1. Verordnung (EU) Nr. 1007/2011, Anhang I: Liste der Textilfaserbezeichnungen (Volltext auch bei EUR-Lex)
  2. Textile Exchange: Materials Market Report 2025 (PDF)
  3. Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: Viskose und ihre Verwandtschaft
  4. Verbraucherzentrale NRW: Kleidung aus Bambus, wie ökologisch und hautverträglich ist sie?
  5. Wikipedia: Viskosefaser (Herstellung, Eigenschaften, Geschichte)
  6. Changing Markets Foundation: Dirty Fashion (2017)
  7. Canopy: Hot Button Report
  8. LENZING™ ECOVERO™: Herstellerangaben zur Faser
Redaktion EFB Magazin
Unabhängig recherchiert, mit Quellen belegt. Mehr zu unserer Arbeitsweise: Redaktion & Methodik.

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