Polyester ist eine synthetische Faser aus Kunststoff, meist aus Polyethylenterephthalat (PET), das überwiegend aus Erdöl hergestellt wird. Sie ist die meistproduzierte Textilfaser der Welt: robust, knitterarm und schnell trocknend, aber nicht biologisch abbaubar und eine wichtige Quelle für Mikroplastik.
In diesem Artikel erfährst du, wie Polyester entsteht, welche Vor- und Nachteile die Kunstfaser hat, was es mit Mikroplastik auf sich hat, ob recyceltes Polyester wirklich besser ist und wie du Polyester-Kleidung so wäschst, dass möglichst wenig Fasern im Abwasser landen.
Auf einen Blick
- Rohstoff: Kunststoff, meist PET, überwiegend auf Erdölbasis; recyceltes Polyester vor allem aus PET-Flaschen
- Fasertyp: Synthetikfaser (Chemiefaser aus synthetischem Polymer), Kurzzeichen PES oder PET
- Eigenschaften: reißfest, knitterarm, formstabil, nimmt kaum Wasser auf, trocknet schnell, neigt zu Geruchsbildung
- Umwelt: nicht biologisch abbaubar, gibt beim Waschen und Tragen Mikrofasern ab
- Pflege: meist 30 °C oder 40 °C, gut gefüllte Trommel, niedrige Schleuderzahl, Lufttrocknen
- Marktanteil: rund 59 % der weltweiten Faserproduktion (2024)
Was ist Polyester?
Polyester ist ein Sammelbegriff für Kunststoffe, deren Bausteine über Esterbindungen verknüpft sind. In der Mode ist fast immer Polyethylenterephthalat gemeint, kurz PET. Das ist derselbe Kunststoff, aus dem auch Getränkeflaschen bestehen, nur zu feinen Fasern versponnen.
Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 definiert Polyester als Faser aus linearen Makromolekülen, deren Kette zu mindestens 85 Gewichtsprozent aus dem Ester eines Diols mit Terephthalsäure besteht. Steht „100 % Polyester“ auf dem Etikett, besteht das Kleidungsstück also vollständig aus dieser Kunstfaser, ohne Anteile von Baumwolle, Wolle oder Elastan.
Kurze Geschichte der Kunstfaser
Erfunden wurde PET 1941 von den Briten John Rex Whinfield und James Tennant Dickson in den Laboren der Calico Printers‘ Association in Accrington. In Deutschland kamen Polyesterfasern später unter Marken wie Diolen und ab 1956 Trevira auf den Markt. Besonders ab den 1970er Jahren wuchs die Produktion weltweit rasant.
Wie viel Polyester wird produziert?
Polyester dominiert den Fasermarkt. Laut dem Materials Market Report 2025 von Textile Exchange wurden 2024 rund 78 Millionen Tonnen Polyesterfasern hergestellt. Das sind etwa 59 % der gesamten Faserproduktion von 132 Millionen Tonnen, nach 57 % im Jahr 2023. Baumwolle liegt mit rund 19 % weit dahinter. Das Wachstum der Faserproduktion insgesamt geht laut Textile Exchange vor allem auf neues, fossil basiertes Polyester zurück.
Wie wird Polyester hergestellt?
Die Herstellung beginnt in der Petrochemie. Aus Erdöl und Erdgas werden die Grundstoffe Terephthalsäure (oder deren Ester) und Ethylenglykol gewonnen. Beide reagieren in einer Polykondensation zu langen PET-Molekülketten. Das entstandene Granulat wird geschmolzen und durch Spinndüsen gepresst. Die Fäden kühlen ab, werden verstreckt und dann als Endlosgarn oder als geschnittene Spinnfaser weiterverarbeitet.
Weil PET ein Thermoplast ist, lassen sich die Fasern beim Herstellen gezielt formen: glatt, gekräuselt, hohl oder als sehr feine Mikrofaser. Daraus entstehen ganz unterschiedliche Stoffe, vom Futterstoff über Fleece bis zur Funktionsjacke. Die Kehrseite: Der Rohstoff ist fossil, und die Herstellung ist energieintensiv.
Welche Eigenschaften hat Polyester?
Polyester wird so häufig eingesetzt, weil die Faser günstig, vielseitig und pflegeleicht ist. Im Alltag zeigen sich klare Stärken und Schwächen.
Vorteile von Polyester
- Strapazierfähig: Die Faser ist reißfest und formstabil, auch nach vielen Wäschen.
- Knitterarm: Polyester knittert kaum und muss selten gebügelt werden.
- Schnell trocknend: Die Faser nimmt nur sehr wenig Wasser auf. Das ist bei Sport- und Outdoorkleidung ein Vorteil.
- Witterungsbeständig: Polyester verträgt Licht und Nässe gut, deshalb steckt es in vielen Jacken und Rucksäcken.
- Günstig und vielseitig: Von Satin bis Fleece lassen sich aus Polyester sehr unterschiedliche Stoffe herstellen.
Nachteile von Polyester
- Kaum Feuchtigkeitsaufnahme: Schweiß wird nicht von der Faser aufgenommen. Bei dichten Stoffen fühlt sich das schnell feucht und warm an.
- Geruchsbildung: In einer Studie der Universität Gent (2014) rochen Polyester-Shirts nach dem Sport deutlich intensiver und unangenehmer als Baumwollshirts. Auf den Synthetik-Shirts fanden die Forschenden andere Bakterien, vor allem Mikrokokken.
- Mikroplastik: Beim Waschen und Tragen lösen sich feine Kunststofffasern, die in die Umwelt gelangen.
- Nicht biologisch abbaubar: Polyester bleibt als Kunststoff sehr lange in der Umwelt.
- Hitzeempfindlich: PET schmilzt bei etwa 250 bis 260 °C, zu heißes Bügeln kann glänzende Stellen oder Löcher hinterlassen.
- Neigung zu Pilling und statischer Aufladung: Je nach Stoff bilden sich Knötchen, und die Kleidung lädt sich auf.
Polyester im Vergleich mit anderen Fasern
| Kriterium | Polyester | Recyceltes Polyester | Baumwolle | Viskose | Merinowolle |
|---|---|---|---|---|---|
| Rohstoff | Erdöl, Erdgas | vor allem PET-Flaschen | Baumwollpflanze | Holz-Zellulose | Schafwolle |
| Feuchtigkeitsaufnahme | sehr gering | sehr gering | hoch | hoch | hoch |
| Geruch nach dem Sport | intensiver (Studie Uni Gent) | vergleichbar mit Polyester | weniger intensiv (Studie Uni Gent) | keine Vergleichsdaten | Faser bindet Geruchsmoleküle |
| Knitterneigung | sehr gering | sehr gering | mittel bis hoch | hoch | gering |
| Mikroplastik beim Waschen | ja | ja | nein | nein | nein |
| Biologisch abbaubar | nein | nein | ja | ja | ja |
Die Unterschiede zu den Zellulosefasern erklären wir im Detail bei Viskose und ihrer Umweltbilanz. Warum Wolle trotz ähnlicher Einsatzbereiche im Sport ganz anders funktioniert, liest du im Artikel über Merinowolle und ihre Eigenschaften.
100 % Baumwolle oder 100 % Polyester?
Für Alltagskleidung auf der Haut ist Baumwolle meist angenehmer, weil sie Feuchtigkeit aufnimmt und weniger zu Geruch neigt. Polyester punktet dort, wo schnelles Trocknen, geringes Gewicht und Formstabilität zählen, etwa bei Regenjacken oder Laufshirts. Ökologisch haben beide Schwächen: Konventionelle Baumwolle belastet im Anbau Wasser und Böden, Polyester basiert auf fossilen Rohstoffen und gibt Mikroplastik ab. Viele Kleidungsstücke sind Mischgewebe, die sich kaum sortenrein recyceln lassen.
Polyester und Mikroplastik: Wie groß ist das Problem?
Synthetische Textilien sind eine anerkannte Quelle für Mikroplastik. Die Europäische Umweltagentur (EEA) schätzt, dass jährlich zwischen 200.000 und 500.000 Tonnen Mikroplastik aus Textilien in die Meere gelangen. Die meisten Fasern lösen sich bei den ersten Wäschen eines Kleidungsstücks. Deshalb trägt Fast Fashion mit ihren vielen neuen Teilen besonders stark dazu bei.
Für Deutschland nennt das Bayerische Landesamt für Umwelt unter Berufung auf Schätzungen des Umweltbundesamtes etwa 80 bis 400 Tonnen synthetische Mikrofasern pro Jahr. Die Verbraucherzentrale Hessen weist darauf hin, dass Polyesterfasern sogar in der Arktis nachgewiesen wurden.
Wie viel sich aus einem Kleidungsstück löst, zeigt ein Waschtest des österreichischen Umweltbundesamts von 2020: Bei zehn Sportshirts landeten im Schnitt 382.000 Plastikfasern pro Kilo Wäsche im Abwasser. Ein spezieller Waschbeutel senkte die Zahl der Teilchen in der Erstwäsche um etwa 70 %.
Ist recyceltes Polyester nachhaltig?
Recyceltes Polyester, oft als rPET gekennzeichnet, spart fossile Neuware ein und ist daher auf den ersten Blick die bessere Wahl. Laut Textile Exchange stieg die Produktion 2024 auf rund 9,3 Millionen Tonnen. Weil aber noch mehr neues Polyester hergestellt wurde, sank der Recyclinganteil am gesamten Polyester von etwa 12,5 % auf rund 12 %.
Zwei Punkte relativieren das grüne Image:
- Flaschen statt Kleidung: Rund 98 % des recycelten Polyesters stammen aus PET-Flaschen. Textil-zu-Textil-Recycling macht laut Textile Exchange erst etwa 2 % aus. Alte Kleidung wird also kaum zu neuer Kleidung, und die Flaschen fehlen im Flaschenkreislauf.
- Mikroplastik bleibt: Eine im Dezember 2025 veröffentlichte Untersuchung im Auftrag der Stiftung Changing Markets, durchgeführt von Forschenden der Çukurova-Universität in der Türkei, fand bei Kleidung aus recyceltem Polyester im Schnitt 55 % mehr Mikroplastikpartikel pro Wäsche als bei neuem Polyester. Die Fasern waren zudem etwa 20 % kürzer. Der Waschtest des österreichischen Umweltbundesamts fand in seiner kleineren Stichprobe dagegen keinen messbaren Unterschied. Sicher ist: Auch recyceltes Polyester gibt Mikroplastik ab.
Wenn du recyceltes Polyester kaufst, gibt ein Siegel wie der Global Recycled Standard (GRS) von Textile Exchange Auskunft darüber, ob der Recyclinganteil geprüft wurde. Schadstoffgeprüft ist ein Textil, wenn es etwa das OEKO-TEX-Siegel trägt. Für faire Arbeitsbedingungen in der Näherei sind Siegel wie der Grüne Knopf aussagekräftiger.
Ist Polyester nachhaltig?
Unterm Strich: eher nicht, aber es gibt Einsatzbereiche, in denen Polyester sinnvoll sein kann. Eine langlebige Regenjacke, die du zehn Jahre trägst, ist ökologisch etwas anderes als ein Polyester-Top, das nach drei Partys aussortiert wird. Die größten Hebel sind deshalb:
- Weniger und bewusster kaufen: Die Menge macht das Problem. Mehr dazu in unserem Beitrag über Fast Fashion und ihre Folgen.
- Naturfasern für hautnahe Kleidung: Für Shirts, Unterwäsche und Alltagskleidung sind Baumwolle, Leinen, Lyocell oder Wolle oft die angenehmere Wahl.
- Polyester gezielt einsetzen: Dort, wo Funktion zählt, und dann möglichst langlebig.
- Second Hand bevorzugen: Getragene Kleidung hat die meisten Mikrofasern bereits in früheren Wäschen verloren.
Wer mit wenigen, gut kombinierbaren Teilen auskommen will, findet Ideen in unserem Guide zur Capsule Wardrobe.
Polyester waschen: So gelangt weniger Mikroplastik ins Wasser
- Seltener waschen: Auslüften reicht oft. Jede Wäsche löst Fasern.
- Niedrige Temperatur: 30 °C reichen meist. Je höher die Temperatur, desto stärker wird das Gewebe beansprucht.
- Niedrige Schleuderzahl: Weniger mechanische Belastung heißt weniger Abrieb.
- Gut gefüllte Trommel: Wenn die Maschine voll, aber nicht überladen ist, wird die einzelne Faser weniger stark bewegt.
- Waschbeutel nutzen: Spezielle Beutel halten einen Teil der Fasern zurück. Die Rückstände entsorgst du im Restmüll, nicht im Abfluss.
- Lufttrocknen: Das schont die Fasern und spart Energie. Bügeln, wenn überhaupt, nur bei niedriger Stufe.
- Gegen Geruch: Sportkleidung nach dem Training gut auslüften lassen und nicht feucht im Wäschekorb liegen lassen.
Weitere Fasern im direkten Vergleich findest du in unserer Übersicht zu Materialien und Stoffen.
Häufige Fragen
Ist Polyester gut oder schlecht?
Beides. Polyester ist robust, knitterarm und trocknet schnell, deshalb ist es für Funktionskleidung praktisch. Gleichzeitig basiert es auf Erdöl, ist nicht biologisch abbaubar und gibt beim Waschen Mikroplastik ab. Für hautnahe Alltagskleidung sind Naturfasern oder Zellulosefasern meist die bessere Wahl.
Warum schwitzt man in Polyester so?
Polyester nimmt kaum Feuchtigkeit auf. Der Schweiß bleibt auf der Haut oder wandert nur an der Faseroberfläche entlang. Bei dichten Stoffen staut sich Wärme, und du fühlst dich schneller verschwitzt. Außerdem siedeln sich auf Polyester Bakterien an, die für intensiveren Geruch sorgen.
Was ist besser, 100 % Baumwolle oder 100 % Polyester?
Für Alltagskleidung auf der Haut ist Baumwolle meist angenehmer und riecht weniger schnell. Polyester ist besser, wenn es um schnelles Trocknen und Formstabilität geht, etwa bei Sport- oder Regenkleidung. Ökologisch hat Bio-Baumwolle Vorteile, weil sie biologisch abbaubar ist und kein Mikroplastik abgibt.
Was bedeutet 100 % Polyester?
Das Kleidungsstück besteht vollständig aus Polyesterfasern, also aus Kunststoff, meist PET. Nach EU-Recht darf „100 %“ nur angegeben werden, wenn das Produkt ausschließlich aus dieser Faser besteht (bis auf eine kleine technische Toleranz für Fremdfasern). Ob es sich um neues oder recyceltes Polyester handelt, verrät erst ein zusätzlicher Hinweis oder ein Siegel.
Ist recyceltes Polyester besser?
Es spart fossile Neuware ein, stammt aber zu rund 98 % aus PET-Flaschen und nicht aus alter Kleidung. Beim Waschen gibt es ebenfalls Mikroplastik ab, laut einer Untersuchung im Auftrag von Changing Markets sogar mehr als neues Polyester. Es ist also besser als Neuware, aber keine Lösung für das Mikroplastikproblem.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1007/2011, Anhang I: Liste der Textilfaserbezeichnungen (Volltext auch bei EUR-Lex)
- Textile Exchange: Materials Market Report 2025 (PDF)
- Europäische Umweltagentur (EEA): Microplastics from textiles, towards a circular economy for textiles in Europe (2022)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Kleidung aus Naturfasern, Mikroplastik vermeiden
- Verbraucherzentrale Hessen: Mikroplastik aus Kunstfasern, die wichtigsten Antworten
- Umweltbundesamt Österreich: Mikroplastik, 10 Sportshirts im Waschtest (2020)
- Changing Markets Foundation: Studie zu Mikroplastik aus recyceltem Polyester (10.12.2025)
- Callewaert et al. (2014): Microbial Odor Profile of Polyester and Cotton Clothes after a Fitness Session, Applied and Environmental Microbiology
- Wikipedia: Polyethylenterephthalat (Geschichte, Eigenschaften, Schmelzpunkt)
- The Woolmark Company: What is the Wool Fibre? (Geruchsbindung durch Keratin)



