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Siegel & Labels

GOTS-Siegel erklärt: Kriterien, Stufen und GOTS vs. OEKO-TEX

Bio-Baumwollkapseln, ungefärbter Baumwollstoff und Schalen mit Naturfarben

Das GOTS-Siegel steht für Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern, die entlang der gesamten Verarbeitungskette nach strengen Umwelt- und Sozialkriterien hergestellt wurden. Ein Produkt mit dem Label „Organic“ besteht zu mindestens 95 % aus zertifizierten Bio-Fasern, bei „Made with organic“ sind es mindestens 70 %. Hier erfährst du, was GOTS genau prüft, wo die Grenzen liegen und ob GOTS oder OEKO-TEX das bessere Siegel für dich ist.

Auf einen Blick

  • Name: Global Organic Textile Standard (GOTS)
  • Herausgeber: Global Standards gGmbH, eine gemeinnützige GmbH mit Sitz in Deutschland
  • Seit: erste Version 2005, gegründet von einer internationalen Arbeitsgruppe aus IVN, Soil Association, Organic Trade Association und Japan Organic Cotton Association
  • Prüft: Bio-Faseranteil, Chemikalien, Abwasser, Umweltmanagement und Sozialstandards von der Faserverarbeitung bis zum Handel
  • Geltungsbereich: Textilien aus mindestens 70 % zertifizierten Bio-Naturfasern, zum Beispiel Kleidung, Heimtextilien, Matratzen, Spielzeug
  • Aktuelle Version: 7.0, ab 1. März 2027 verbindlich Version 8.1
  • Offizieller Standard: global-standards.org

Was ist das GOTS-Siegel?

GOTS ist ein Verarbeitungsstandard. Er beginnt dort, wo die Bio-Faser den Acker oder die Weide verlässt: beim Entkörnen, Spinnen, Weben oder Stricken, beim Färben und Ausrüsten, bei der Konfektion und im Handel. Jedes Unternehmen in dieser Kette muss von einer zugelassenen, unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft sein. Nur dann darf das Endprodukt das GOTS-Logo tragen.

Der Anbau der Fasern selbst wird nicht nach GOTS zertifiziert, sondern nach anerkannten Bio-Standards für Landwirtschaft. GOTS verlangt, dass dieser Bio-Status lückenlos nachgewiesen und bis zum fertigen Produkt nachverfolgt wird. Zugelassen sind pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Hanf, Leinen und Jute sowie tierische Fasern wie Schafwolle, Kaschmir, Mohair, Alpaka und Seide.

Geschichte hat GOTS auch in Berlin: Der Standard war auf der früheren Ethical Fashion Show Berlin präsent, die damalige Seite findest du in unserem Archiv der Ethical Fashion Show Berlin.

Welche Kriterien prüft GOTS?

Der Standard ist umfangreich, die aktuelle Fassung 8.1 umfasst 65 Seiten. Die wichtigsten Anforderungen lassen sich in vier Bereiche gliedern.

1. Fasern und Materialien

  • Mindestens 70 % zertifizierte Bio-Naturfasern im Endprodukt
  • Keine gentechnisch veränderten Organismen
  • Konventionelle Baumwolle darf nicht beigemischt werden, auch nicht recycelt
  • Beimischungen sind begrenzt, zum Beispiel Lyocell aus zertifizierten Quellen bis 30 %, Viskose und Modal bis 10 % und frische Synthetikfasern wie Elasthan bis 10 % (Werte nach Version 8.1)

2. Chemikalien und Verarbeitung

Alle eingesetzten Farbstoffe und Hilfsmittel müssen die Anforderungen des Standards erfüllen. Verboten sind unter anderem Farbstoffe mit Schwermetallen als Bestandteil des Moleküls, PFAS für wasser-, öl- oder schmutzabweisende Ausrüstung, synthetische antimikrobielle Ausrüstungen und für Arbeiter:innen schädliche Verfahren wie das Sandstrahlen von Denim. Fertige Produkte werden zusätzlich auf Rückstände geprüft.

3. Umwelt und Abwasser

Nassverarbeitende Betriebe brauchen eine funktionierende Kläranlage oder müssen an eine angeschlossen sein. Es gelten Grenzwerte für das gereinigte Abwasser, Betriebe müssen Wasser- und Energieverbrauch erfassen und nach Version 8.1 auch ihre Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) jährlich berechnen.

4. Soziale Kriterien

Für alle zertifizierten Betriebe gelten Sozialkriterien auf Basis der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO): kein Zwangs- und keine Kinderarbeit, Versammlungsfreiheit und Recht auf Tarifverhandlungen, keine Diskriminierung, Arbeitsschutz, geregelte Arbeitszeiten. Beim Lohn setzt GOTS auf mehr als den Mindestlohn: Nach Version 8.1 müssen Betriebe jährlich einen existenzsichernden Lohn für ihre Region ansetzen, die Lücke zum gezahlten Lohn berechnen und einen Plan entwickeln, um sie zu schließen.

Welche Stufen gibt es beim GOTS-Label?

Auf dem Etikett siehst du eine von zwei Kennzeichnungsstufen:

Kennzeichnung Anteil zertifizierter Bio-Fasern Was es für dich heißt
„Organic“ (oder „Organic in-conversion“) mindestens 95 % Fast reines Bio-Produkt
„Made with (x %) organic materials“ mindestens 70 % Bis zu 30 % andere, streng begrenzte Fasern möglich

„In-conversion“ bedeutet, dass die Fasern von Flächen stammen, die gerade auf Bio-Landbau umgestellt werden. Laut Standard muss ein GOTS-Etikett immer das Logo, die Kennzeichnungsstufe, die Zertifizierungsstelle und die Lizenznummer des zertifizierten Unternehmens enthalten. Fehlt davon etwas, lohnt sich ein kritischer Blick.

Was ändert sich mit GOTS 8.0 und 8.1?

GOTS wird alle drei Jahre überarbeitet. Version 8.0 erschien im März 2026, eine leicht korrigierte Fassung 8.1 folgte am 22. Juni 2026. Beide gelten ab dem 1. März 2027 für alle Prüfungen, bis dahin ist Version 7.0 aus dem Jahr 2023 maßgeblich. Die nächste Revision ist für 2029 geplant.

Zu den Neuerungen gehören:

  • Kreislauf: Zertifizierte Produkte können bei Reparatur, Wiederverkauf oder Umarbeitung im GOTS-System bleiben.
  • Haltbarkeit: Endprodukte müssen Qualitätstests bestehen, bestimmte Tests nach fünf Wäschen.
  • Klima: Pflicht zur jährlichen Berechnung von Scope-1- und Scope-2-Emissionen.
  • Löhne: Lohnlückenanalyse und Plan zur Zahlung existenzsichernder Löhne.
  • PFAS: Die Grenzwerte wurden in 8.1 präzisiert.

Kritik und Grenzen: Wo stößt GOTS an?

GOTS gilt als eines der anspruchsvollsten Textilsiegel. Trotzdem hat es Grenzen, die du kennen solltest.

  • Betrug in der Lieferkette: Im Oktober 2020 machte GOTS selbst öffentlich, dass es in Indien Hinweise auf systematischen Betrug mit Bio-Baumwolle gefunden hatte. Es ging um gefälschte Transaktionszertifikate für rund 20.000 Tonnen Material. GOTS sperrte 11 Unternehmen, beendete den Vertrag mit einer Zertifizierungsstelle und prüft Zertifikate für Bio-Rohstoffe seitdem direkt.
  • Nur für Naturfasern: Für Kleidung aus überwiegend synthetischen oder recycelten Fasern ist GOTS nicht gedacht. Hier helfen andere Siegel wie der Global Recycled Standard.
  • Audits sind Momentaufnahmen: Zertifizierte Betriebe werden mindestens jährlich vor Ort geprüft, auch unangekündigte Kontrollen sind möglich. Eine lückenlose Überwachung ersetzt das aber nicht.
  • Existenzlohn noch im Aufbau: Die Lohnanforderungen der Version 8.1 sind erst ab März 2027 verbindlich und verlangen einen Plan, keine sofortige Zahlung existenzsichernder Löhne.

Was ist besser: GOTS oder OEKO-TEX?

Die kurze Antwort: GOTS ist das umfassendere Siegel, OEKO-TEX STANDARD 100 prüft etwas anderes. Beide beantworten unterschiedliche Fragen.

OEKO-TEX STANDARD 100 ist ein Schadstofftest am fertigen Produkt. Alle Bestandteile, vom Oberstoff über Nähgarn bis zum Knopf, werden laut OEKO-TEX auf mehr als 1.000 Schadstoffe geprüft. Wie und wo das Produkt entstanden ist und ob die Fasern bio sind, spielt dabei keine Rolle. Das Zertifikat gilt ein Jahr.

OEKO-TEX MADE IN GREEN geht weiter: Das Produkt ist schadstoffgeprüft, wurde in Betrieben mit OEKO-TEX STeP-Zertifizierung für umweltfreundliche und sozialverträgliche Produktion hergestellt und ist über eine Produkt-ID rückverfolgbar. Bio-Fasern sind aber auch hier keine Pflicht.

Kriterium GOTS OEKO-TEX STANDARD 100 OEKO-TEX MADE IN GREEN
Bio-Fasern Pflicht (mind. 70 % bzw. 95 %) Nein Nein
Schadstoffe im Endprodukt Ja, plus Chemikalienregeln in der Produktion Ja, Kernaufgabe Ja
Umwelt in der Produktion Ja, ganze Kette Nein Ja (STeP-Betriebe)
Sozialkriterien Ja, ganze Kette Nein Ja (STeP-Betriebe)
Synthetik erlaubt Nur begrenzte Beimischung Ja Ja
Prüfen per Lizenznummer, GOTS-Datenbank Label Check (Nummer oder QR-Code) Label Check (Produkt-ID)

Wenn du Bio-Baumwolle oder Bio-Wolle kaufst und alles in einem Siegel willst, ist GOTS die erste Wahl. Für ein Polyester-Sportshirt oder einen Mischgewebe-Pulli kann MADE IN GREEN die sinnvollere Orientierung sein. STANDARD 100 allein sagt dir vor allem, dass das Produkt auf Schadstoffe geprüft wurde. Mehr Details liest du in unserem Artikel zu OEKO-TEX.

GOTS und andere Siegel

GOTS lässt sich gut mit anderen Labels kombinieren. Der Grüne Knopf erkennt GOTS seit Dezember 2023 auch für Konfektion und Nassprozesse als Nachweis an. Bei Baumwolle kann zusätzlich das Fairtrade-Siegel auftauchen, das vor allem die Bäuerinnen und Bauern im Anbau in den Blick nimmt. Einen Überblick über alle Textilsiegel findest du in unserem Siegel-Bereich.

Was heißt „GOTS-zertifiziert“ bei Marken?

Viele Marken schreiben „GOTS-zertifiziert“ in ihre Shops. Das kann zweierlei bedeuten: Entweder ist das Unternehmen selbst zertifiziert und verkauft GOTS-Produkte, oder es bezieht zertifizierte Stoffe, ohne dass das Endprodukt gelabelt ist. Laut Standard darf im Handel nur dann mit GOTS geworben werden, wenn das Endprodukt nach GOTS zertifiziert ist und korrekt gekennzeichnet wurde.

Achte deshalb auf das Etikett am konkreten Produkt. Ein Shop-Banner oder ein Hinweis auf „GOTS-Stoffe“ ist kein Ersatz dafür.

So prüfst du ein GOTS-Siegel

  1. Suche auf dem Etikett nach dem GOTS-Logo, der Stufe („Organic“ oder „Made with organic“), der Zertifizierungsstelle und der Lizenznummer.
  2. Gib Unternehmen oder Lizenznummer in die Datenbank der zertifizierten Anbieter ein.
  3. Fehlt der Eintrag, frag beim Händler nach. GOTS weist selbst darauf hin, dass Zertifizierungsstellen ihre Daten teilweise noch in das neue System übertragen.

Häufige Fragen

Was sagt das GOTS-Siegel aus?

Es zeigt, dass ein Textil zu mindestens 70 % aus zertifizierten Bio-Naturfasern besteht und in der gesamten Verarbeitungskette nach GOTS-Regeln für Chemikalien, Umwelt und Sozialstandards hergestellt wurde. Beim Label „Organic“ liegt der Bio-Anteil bei mindestens 95 %.

Wer steckt hinter GOTS?

Der Standard wird von der Global Standards gGmbH verwaltet, einer gemeinnützigen GmbH in Deutschland. Entwickelt wurde er von einer Arbeitsgruppe aus dem Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), der Soil Association, der Organic Trade Association und der Japan Organic Cotton Association.

Was ist besser, GOTS oder OEKO-TEX?

Das hängt von der Frage ab. GOTS deckt Bio-Fasern, Umwelt, Chemie und Soziales ab. OEKO-TEX STANDARD 100 prüft nur Schadstoffe im Endprodukt. OEKO-TEX MADE IN GREEN ergänzt Umwelt- und Sozialkriterien, verlangt aber keine Bio-Fasern.

Welche Kritik gibt es am GOTS-Zertifikat?

Größter Kritikpunkt ist die Anfälligkeit für Betrug beim Rohstoff, wie der von GOTS selbst aufgedeckte Fall gefälschter Zertifikate für Bio-Baumwolle in Indien 2020. Außerdem sind Audits Momentaufnahmen, und die Lohnregeln der Version 8.1 gelten erst ab 2027.

Ist GOTS-Kleidung schadstofffrei?

GOTS verbietet viele problematische Stoffe in der Produktion und prüft Endprodukte auf Rückstände. Absolute Schadstofffreiheit kann kein Siegel garantieren, aber GOTS gehört zu den strengsten Regelwerken bei Textilchemie.

Quellen

  1. Global Organic Textile Standard (GOTS) Version 8.1, Juni 2026 (PDF)
  2. GOTS Changelog Version 8.0 zu 8.1 (PDF)
  3. Global Standards: GOTS
  4. Global Standards: Who we are
  5. Global Standards: Certified Suppliers Database
  6. GOTS: Evidence of Organic Cotton Fraud in India (30.10.2020)
  7. OEKO-TEX: STANDARD 100
  8. OEKO-TEX: MADE IN GREEN
  9. Grüner Knopf: GOTS als Siegel anerkannt (19.12.2023)
  10. Verbraucherzentrale: Faire Kleidung, das bedeuten die Siegel
Redaktion EFB Magazin
Unabhängig recherchiert, mit Quellen belegt. Mehr zu unserer Arbeitsweise: Redaktion & Methodik.

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