Modal ist ein Stoff aus Zellulosefasern, die meist aus Buchenholz gewonnen und in einem abgewandelten Viskoseverfahren hergestellt werden. Im Vergleich zu normaler Viskose ist Modal fester, vor allem im nassen Zustand, knittert weniger und behält seine Form auch nach vielen Wäschen besser.
Modal steckt in besonders weichen T-Shirts, Unterwäsche, Pyjamas und Bettwäsche. In diesem Artikel erfährst du, wie die Faser entsteht, was sie genau von Viskose, Lyocell und Baumwolle unterscheidet, wie nachhaltig sie ist und wie du Modal richtig pflegst.
Auf einen Blick
- Rohstoff: Zellulose, hauptsächlich aus Buchenholz
- Fasertyp: Regeneratfaser, eine strukturmodifizierte Viskosefaser, Kurzzeichen CMD
- Verfahren: Viskoseverfahren mit veränderten Spinnbedingungen
- Eigenschaften: sehr weich, glatt, fließender Fall, hohe Nassfestigkeit, nimmt Feuchtigkeit gut auf, knitterarm, brillant färbbar
- Pflege: 30 °C oder 40 °C laut Etikett, Schonwaschgang, niedrige Schleuderzahl, an der Luft trocknen
- Marktanteil: rund 0,2 Mio. Tonnen im Jahr 2024, etwa 3 % der Zellulose-Chemiefasern
Was für ein Stoff ist Modal?
Modal gehört wie Viskose und Lyocell zu den Regeneratfasern aus Zellulose. Der Rohstoff ist also pflanzlich, die Faser selbst entsteht aber in einem chemischen Prozess. Damit ist Modal weder eine reine Naturfaser noch eine Kunstfaser aus Erdöl.
Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 beschreibt Modal als regenerierte Zellulosefaser, die nach einem geänderten Viskoseverfahren hergestellt wird und eine hohe Reißkraft sowie einen hohen Modul im nassen Zustand hat. Vereinfacht heißt das: Modal gibt im nassen Zustand weniger nach und bleibt stabiler als normale Viskose.
Fachlich gilt Modal als strukturmodifizierte Viskosefaser mit längeren Zellulosemolekülen (einem höheren Polymerisationsgrad) als die normale Viskosefaser. Als Faustregel für die Definition dient ein Test: Bei einer bestimmten Zugbelastung im nassen Zustand darf sich eine Modalfaser um weniger als 15 % dehnen. Normale Viskosefasern schaffen das nicht.
Mengenmäßig ist Modal eine Nische. Laut Textile Exchange wurden 2024 rund 0,2 Millionen Tonnen hergestellt, das sind etwa 3 % aller Zellulose-Chemiefasern. Viskose kommt auf rund 6,7 Millionen Tonnen.
Wie wird Modal hergestellt?
Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus beschreibt Modal als Faser, die nach dem gleichen Prinzip wie Viskose aus Buchenholz hergestellt wird, allerdings mit veränderten Spinnbedingungen. Der Ablauf in Kürze:
- Zellstoff: Aus Holz, bei Modal vor allem Buche, wird hochreiner Chemiezellstoff gewonnen.
- Alkalisieren und Xanthogenieren: Der Zellstoff wird mit Natronlauge und anschließend mit Schwefelkohlenstoff behandelt und so löslich gemacht.
- Lösen: Es entsteht eine zähflüssige Spinnlösung.
- Spinnen unter veränderten Bedingungen: Die Lösung wird durch Düsen in ein Spinnbad gepresst. Bei Modal enthält das Bad weitere Chemikalien, und die Fäden werden anders gestreckt. So entsteht eine gleichmäßigere, festere Faserstruktur.
- Nachbehandeln: Waschen, Trocknen, Schneiden und Weiterverarbeiten zu Garn.
Weil Modal auf dem Viskoseverfahren beruht, gelten die gleichen Umweltfragen: Wie gut fängt die Fabrik Schwefelkohlenstoff und andere Chemikalien auf, und woher stammt das Holz? Dazu mehr im Abschnitt zur Nachhaltigkeit.
Modal, TENCEL™ Modal und Micromodal
Modal ist die allgemeine Faserbezeichnung. TENCEL™ Modal ist ein Markenname des österreichischen Herstellers Lenzing. Lenzing gibt an, das Holz für TENCEL™ Modal aus zertifizierten oder kontrollierten Quellen zu beziehen, und die Faser trägt nach Herstellerangaben das EU Ecolabel. Als Micromodal werden besonders feine Modalfasern bezeichnet, aus denen sehr leichte, seidige Stoffe entstehen. Mehr zur Marke und ihren Fasern liest du in unserem Artikel über Tencel.
Welche Eigenschaften hat Modal?
Vorteile von Modal
- Sehr weich: Modal fühlt sich glatt und geschmeidig an, deshalb ist es beliebt für Unterwäsche, Shirts und Nachtwäsche.
- Fester als Viskose: Modal erreicht eine höhere Festigkeit, besonders im nassen Zustand. Kleidung aus Modal verzieht sich in der Wäsche weniger.
- Knitterarm: Modal neigt weniger zum Knittern als normale Viskose.
- Farbbrillanz: Die Faser lässt sich brillant färben. Lenzing gibt an, dass TENCEL™ Modal auch wiederholtes Waschen und Trocknen gut übersteht.
- Feuchtigkeitsaufnahme: Wie alle Zellulosefasern nimmt Modal Feuchtigkeit auf und fühlt sich deshalb angenehmer an als viele Kunstfasern.
- Biologisch abbaubar: Reines Modal ist eine Zellulosefaser. Für TENCEL™ Modal nennt Lenzing eine Zertifizierung durch TÜV Austria für die biologische Abbaubarkeit in Boden, Süßwasser und Meerwasser.
Nachteile von Modal
- Chemie im Prozess: Modal wird wie Viskose mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff hergestellt. Ohne gute Umwelttechnik belastet das Luft, Wasser und Menschen in der Umgebung.
- Herkunft oft unklar: Nicht jedes Modal stammt aus einer transparenten Lieferkette. Ohne Herstellerangaben oder Siegel lässt sich das kaum beurteilen.
- Häufig mit Elastan gemischt: Gerade bei Unterwäsche und Shirts ist Modal oft mit Elastan oder Polyester kombiniert. Das macht den Stoff dehnbarer, aber schwerer recycelbar und nicht mehr vollständig biologisch abbaubar.
- Empfindlich bei Hitze und Reibung: Sehr heiße Wäsche und Trockner können feine Modalstoffe strapazieren.
Modal im Vergleich mit Viskose, Lyocell und Baumwolle
| Kriterium | Modal | Viskose | Lyocell | Baumwolle |
|---|---|---|---|---|
| Rohstoff | Zellulose, hauptsächlich Buchenholz | Zellulose aus Buche, Fichte, Eukalyptus, Bambus u. a. | Zellulose, meist aus Holz | Samenhaar der Baumwollpflanze |
| Verfahren | abgewandeltes Viskoseverfahren | Viskoseverfahren mit Schwefelkohlenstoff | Lösungsmittel NMMO im Kreislauf | Anbau, Ernte, Spinnen |
| Festigkeit nass | hoch | nur etwa 45 bis 65 % der Trockenfestigkeit | hoch | höher als trocken |
| Knitterneigung | gering | hoch | gering | mittel bis hoch |
| Formstabilität in der Wäsche | gut | kann einlaufen | gut | kann einlaufen |
| Griff | sehr weich, glatt | weich, fließend | glatt, kühl | griffig, natürlich |
| Kurzzeichen | CMD | CV | CLY | CO |
Was ist der Unterschied zwischen Modal und Viskose?
Beide Fasern entstehen im Viskoseverfahren, Modal aber unter veränderten Spinnbedingungen. Dadurch hat Modal längere Zellulosemoleküle und eine gleichmäßigere Struktur. Das Ergebnis: höhere Festigkeit, besonders nass, weniger Knitter und bessere Formstabilität. Normale Viskose ist dagegen empfindlicher, schrumpft eher und verliert nass deutlich an Festigkeit. Wie Viskose im Detail hergestellt wird, erklären wir im Artikel Viskose: Eigenschaften, Umweltbilanz und Alternativen.
Modal oder Lyocell?
Lyocell entsteht in einem anderen Verfahren: Die Zellulose wird direkt in einem Lösungsmittel gelöst, das zu großen Teilen zurückgewonnen wird. Es braucht keinen Schwefelkohlenstoff. Lyocell ist im nassen Zustand ebenfalls sehr fest und wird häufig für gewebte Stoffe, Denim und Bettwäsche genutzt, Modal eher für weiche Strickwaren. Mehr dazu in unserem Lexikon zu Lyocell: Herstellung, Vor- und Nachteile, Pflege.
Ist Modal besser als Baumwolle?
Modal ist weicher, glatter und knittert weniger als Baumwolle. Modalfasern gelten als der Baumwolle besonders ähnlich, fallen aber fließender. Baumwolle ist dafür robuster, verträgt meist heißere Wäsche und ist als Bio-Baumwolle mit GOTS-Siegel gut nachvollziehbar zertifiziert. Ob Modal oder Baumwolle ökologisch besser ist, hängt vor allem von der Herkunft ab: Modal aus transparenter Produktion kann eine gute Alternative zu konventioneller Baumwolle sein, konventionelles Modal unbekannter Herkunft eher nicht.
Ist Modal nachhaltig?
Modal hat einen nachwachsenden Rohstoff und ist biologisch abbaubar. Weil es aber auf dem Viskoseverfahren beruht, hängt die Umweltbilanz stark vom Hersteller ab. Worauf du achten kannst:
- Transparente Herkunft: Markenfasern mit klaren Angaben zu Holzquellen und Produktionsstandort sind nachvollziehbarer als anonymes Modal.
- EU Ecolabel: Das Umweltzeichen der EU stellt Anforderungen an die Faserherstellung. Lenzing gibt an, dass TENCEL™ Modal damit ausgezeichnet ist.
- Holz aus verantwortungsvollen Quellen: FSC- oder PEFC-Zertifikate und eine gute Bewertung im Hot Button Report der Organisation Canopy sprechen dafür, dass kein Holz aus alten und gefährdeten Wäldern verwendet wird.
- Schadstoffprüfung: Das OEKO-TEX-Siegel zeigt, dass das fertige Textil auf Schadstoffe geprüft wurde. Das ist gerade bei Unterwäsche interessant.
- Faire Produktion: Für soziale Standards in der Näherei helfen Siegel wie der Grüne Knopf oder Fairtrade.
Unabhängig von der Faser gilt: Ein Shirt, das du lange trägst, ist nachhaltiger als drei, die schnell ausgemustert werden. Hintergründe dazu findest du in unserem Beitrag über Fast Fashion.
Modal waschen und pflegen
- Etikett beachten: Viele Modal-Teile vertragen 30 °C oder 40 °C, Mischungen mit Elastan oft weniger.
- Schonwaschgang: Wenig Reibung und eine niedrige Schleuderzahl schützen die glatte Oberfläche.
- Auf links waschen: Das verringert Abrieb und hilft gegen Knötchen.
- Feinwaschmittel: Mild dosieren, auf Bleichmittel verzichten.
- Lufttrocknen: Auf dem Bügel oder liegend trocknen. Den Trockner nur nutzen, wenn das Etikett es erlaubt.
- Bügeln: Meist nicht nötig. Falls doch, auf niedriger bis mittlerer Stufe.
Wenn du deinen Kleiderschrank mit wenigen, gut kombinierbaren Basics aus weichen Materialien aufbauen willst, hilft dir unser Guide zur Capsule Wardrobe. Weitere Fasern findest du in der Übersicht Materialien.
Häufige Fragen
Was für ein Stoff ist Modal?
Modal ist ein Stoff aus Regeneratfasern, also aus Zellulose, die meist aus Buchenholz gewonnen wird. Die Faser entsteht in einem abgewandelten Viskoseverfahren und ist dadurch fester als normale Viskose, vor allem im nassen Zustand.
Ist Modal besser als Baumwolle?
Modal ist weicher, glatter und knitterärmer, Baumwolle ist robuster und verträgt heißere Wäsche. Welche Faser nachhaltiger ist, hängt von der Herkunft ab: Bio-Baumwolle mit GOTS-Siegel und Modal aus transparenter Produktion sind beide gute Optionen.
Was sind die Nachteile von Modal?
Modal wird wie Viskose mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff hergestellt, die Umweltbilanz hängt daher vom Hersteller ab. Oft ist Modal mit Elastan gemischt und dann schwer recycelbar. Außerdem mögen feine Modalstoffe keine heiße Wäsche und keine starke Reibung.
Ist Modal gut für die Haut?
Viele empfinden Modal als sehr angenehm, weil die Faser glatt und weich ist und Feuchtigkeit aufnimmt. Wenn du auf mögliche Schadstoffe im fertigen Textil achten willst, ist ein OEKO-TEX-Siegel ein guter Anhaltspunkt. Bei Hautproblemen solltest du ärztlichen Rat einholen.
Ist Modal dasselbe wie Viskose?
Nicht ganz. Modal ist eine Weiterentwicklung der Viskose und wird im gleichen Grundverfahren hergestellt, aber unter veränderten Bedingungen. Rechtlich ist Modal eine eigene Faserbezeichnung, weil die Faser deutlich fester und formstabiler ist.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1007/2011, Anhang I: Liste der Textilfaserbezeichnungen (Volltext auch bei EUR-Lex)
- Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: Viskose und ihre Verwandtschaft
- Wikipedia: Viskosefaser, Abschnitt Modalfaser
- Textile Exchange: Materials Market Report 2025 (PDF)
- Lenzing AG: TENCEL™ Modal, Produktinformation
- Verbraucherzentrale NRW: Kleidung aus Bambus, wie ökologisch und hautverträglich ist sie? (Chemikalien im Viskoseverfahren)
- Canopy: Hot Button Report



