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Tencel: Was ist das? Die Markenfaser Lyocell und Modal erklärt

Kleiderstange mit fließenden Kleidungsstücken aus Holzfasern und Eukalyptus in einer Vase

Tencel ist kein eigener Stoff, sondern eine Marke: Unter TENCEL™ verkauft der österreichische Faserhersteller Lenzing seine Lyocell- und Modalfasern aus Holz. Wenn auf dem Etikett „TENCEL™ Lyocell“ oder „TENCEL™ Modal“ steht, weißt du also, welche Faser drin ist und von welchem Hersteller sie stammt. Hier erfährst du, wie Tencel hergestellt wird, wo die Unterschiede zu Lyocell, Modal und Viskose liegen, wie nachhaltig die Faser wirklich ist und wie du Tencel-Kleidung pflegst.

Auf einen Blick

  • Was ist es: Markenname der Lenzing AG für Cellulosefasern (Lyocell, Modal, Lyocell-Filament)
  • Rohstoff: Zellstoff aus Holz aus zertifizierten oder kontrollierten Quellen
  • Fasertyp: Regeneratfaser (Cellulose), also weder Naturfaser noch Kunststoff
  • Eigenschaften: weich, fließend, nimmt Feuchtigkeit gut auf, reißfest
  • Pflege: meist 30 °C Schonwaschgang, auf dem Bügel trocknen, wenig bügeln
  • Typische Produkte: Blusen, Kleider, T-Shirts, Unterwäsche, Jeans, Bettwäsche, Handtücher

Tencel, Lyocell, Modal: Was ist was?

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Dabei ist die Sache einfach: Lyocell und Modal sind Gattungsnamen für zwei Arten von Cellulosefasern. TENCEL™ ist die Premiummarke, unter der Lenzing diese Fasern für Textilien verkauft. Lenzing beschreibt TENCEL™ selbst als seine Premiummarke für Textilanwendungen.

Unter der Marke gibt es drei Faserlinien:

  • TENCEL™ Lyocell: die bekannteste Variante, hergestellt im sogenannten Direkt-Lösemittelverfahren. Mehr Hintergründe zur Fasergattung findest du in unserem Artikel über Lyocell als Faser.
  • TENCEL™ Modal: eine besonders weiche Modalfaser, die nach einem viskoseähnlichen Verfahren entsteht. Alles über die Gattung erfährst du in unserem Beitrag zu Modal-Stoff.
  • TENCEL™ Lyocell Filament: eine Endlosfaser für glatte, seidig glänzende Stoffe.

Wichtig für dich beim Einkauf: Jedes Tencel ist Lyocell oder Modal, aber nicht jedes Lyocell oder Modal ist Tencel. Andere Hersteller produzieren ebenfalls Lyocell und Modal, dürfen den Markennamen aber nicht verwenden. Die Fasern können sich in Herkunft des Holzes, Produktionsstandards und Qualität unterscheiden.

Wie wird Tencel hergestellt?

Alle Tencel-Fasern bestehen aus Cellulose, also dem Stoff, der Pflanzen ihre Struktur gibt. Diese Cellulose steckt im Holz. Laut Lenzing stammt das Holz für alle TENCEL™ Lyocell- und Modalfasern aus zertifizierten oder kontrollierten Quellen, belegt durch FSC®- oder PEFC-Zertifizierung. Welche Baumart genutzt wird, hängt vom Werk und der Faser ab. Für Lyocell wird vor allem Eukalyptus genannt, zum Beispiel im Materiallexikon des Fair-Fashion-Händlers Glore.

Herstellung von TENCEL™ Lyocell

  1. Zellstoff gewinnen: Das Holz wird zu Zellstoff verarbeitet, also zu nahezu reiner Cellulose.
  2. Lösen: Der Zellstoff wird direkt in einem organischen Lösemittel gelöst, dem Aminoxid NMMO (N-Methylmorpholin-N-oxid). Es entsteht eine zähe Spinnlösung.
  3. Spinnen: Die Lösung wird durch feine Düsen gepresst und in einem Bad verfestigt. Dabei entstehen die Fasern.
  4. Waschen und Rückgewinnung: Die Fasern werden gewaschen. Das Lösemittel wird aufgefangen, gereinigt und wieder eingesetzt.

Der letzte Schritt ist der Grund für den guten Ruf von Lyocell. Lenzing gibt an, dass mehr als 99,8 % des Lösemittels zurückgewonnen und in den Kreislauf zurückgeführt werden. Für dieses Verfahren erhielt Lenzing Lyocell im Jahr 2000 den Europäischen Umweltpreis in der Kategorie Technologie.

Herstellung von TENCEL™ Modal

Modal entsteht auf einem ähnlichen Weg wie Viskose, allerdings mit veränderter Spinnlösung und angepassten Prozesseinstellungen. Das Ergebnis sind laut Lenzing Fasern mit charakteristisch hoher Nassfestigkeit. Für TENCEL™ Modal nennt Lenzing eine ressourceneffiziente Technologie mit hohen Rückgewinnungsraten der Chemikalien. Einen geschlossenen Lösemittelkreislauf wie bei Lyocell gibt es hier aber nicht, weil ein anderes chemisches Verfahren verwendet wird.

REFIBRA™: Tencel mit Recyclinganteil

Mit der REFIBRA™-Technologie mischt Lenzing recyceltes Material in die Faserproduktion. Laut Hersteller enthalten diese Fasern mindestens 20 % Recyclingmaterial aus Produktions- und Konsumabfällen, zum Beispiel aus Baumwollresten. Der Rest ist frischer Holzzellstoff.

Eigenschaften: Vor- und Nachteile von Tencel

Tencel fühlt sich ähnlich an wie Seide oder sehr feine Baumwolle, fällt fließend und ist angenehm kühl auf der Haut. Die wichtigsten Eigenschaften im Überblick:

Vorteile

  • Feuchtigkeitsmanagement: Lenzing beschreibt, dass die Struktur der Lyocellfaser Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Das sorgt für ein trockenes Hautgefühl.
  • Weichheit: Lyocell und Modal geben Stoffen eine natürliche Weichheit. Modal gilt als besonders weich und behält diese Eigenschaft laut Lenzing auch nach vielen Wäschen.
  • Festigkeit: Lyocell hat eine hohe Reißfestigkeit, auch im nassen Zustand. Das unterscheidet es von klassischer Viskose.
  • Farbe: Modalfasern nehmen Farbstoffe gut an und ermöglichen satte Farben.
  • Abbaubarkeit: Reine TENCEL™-Fasern sind laut Lenzing biologisch abbaubar und kompostierbar, zertifiziert von TÜV AUSTRIA für Boden, Süßwasser und Meer.

Nachteile

  • Empfindlich bei falscher Wäsche: Lyocell kann fibrillieren. Dabei spalten sich feine Faserenden ab, und der Stoff bekommt einen weißlichen, pfirsichhautartigen Schimmer. Hohe Temperaturen, volle Trommeln und der Trockner verstärken das.
  • Knitterneigung: Je nach Stoff und Webart knittert Tencel, vor allem nach dem Waschen.
  • Preis: Das aufwendige Verfahren macht Tencel teurer als Standard-Viskose oder konventionelle Baumwolle.
  • Mischgewebe: Oft wird Tencel mit Polyester oder Elasthan gemischt. Dann ist das fertige Teil weder kompostierbar noch leicht zu recyceln.
  • Industrielle Herstellung: Auch wenn der Rohstoff Holz ist: Tencel ist eine chemisch hergestellte Faser, die Energie und Chemikalien braucht.

Tencel im Vergleich: Lyocell, Modal, Viskose und Baumwolle

Merkmal TENCEL™ Lyocell TENCEL™ Modal Viskose (Standard) Baumwolle
Rohstoff Holzzellstoff Holzzellstoff Holzzellstoff, teils Bambus Samenhaare der Baumwollpflanze
Verfahren Direktlösung in NMMO, Lösemittel wird fast vollständig zurückgewonnen viskoseähnlich, angepasste Spinnlösung mehrstufiges Verfahren mit Xanthogenierung Anbau, Ernte, Entkörnen, Spinnen
Gefühl glatt, fließend, kühl sehr weich, geschmeidig weich, fließend griffig bis weich
Nassfestigkeit hoch hoch geringer, Stoff wird nass empfindlich hoch
Typische Nutzung Blusen, Jeans, Bettwäsche, Sportmode Unterwäsche, Shirts, Loungewear Kleider, Blusen, Futterstoffe fast alles
Hauptkritik Energiebedarf, Holzherkunft Chemikalieneinsatz, Holzherkunft Schwefelkohlenstoff, Abwasser, oft intransparente Lieferkette Wasser- und Pestizideinsatz im konventionellen Anbau

Der größte Unterschied zu Standard-Viskose liegt im Verfahren. Für Viskose wird Cellulose über einen mehrstufigen chemischen Prozess mit Xanthogenierung gelöst, bei dem Schwefelkohlenstoff zum Einsatz kommt. Warum das problematisch sein kann, erklären wir ausführlich im Artikel über Viskose und ihre Umweltbilanz. Wenn du Tencel mit synthetischen Fasern vergleichen willst, lohnt ein Blick auf unseren Beitrag zu Polyester.

Ist Tencel nachhaltig?

Im Vergleich zu vielen anderen Fasern schneidet Tencel gut ab, perfekt ist es aber nicht. Für Tencel sprechen:

  • Holz aus FSC®- oder PEFC-zertifizierten beziehungsweise kontrollierten Quellen
  • ein nahezu geschlossener Lösemittelkreislauf bei Lyocell (mehr als 99,8 % Rückgewinnung laut Lenzing)
  • das EU-Umweltzeichen (EU Ecolabel) für Textilprodukte, das Lenzing für TENCEL™ Fasern führt
  • laut Lenzing mindestens 50 % weniger CO₂-Emissionen und Wasserverbrauch als bei generischen Vergleichsfasern, berechnet nach den Ökobilanz-Normen ISO 14040/44
  • biologische Abbaubarkeit reiner Fasern

Die meisten dieser Angaben stammen vom Hersteller selbst. Unabhängige Kritik gibt es ebenfalls: Utopia.de weist etwa auf Monokulturen bei Eukalyptusplantagen, den hohen Energiebedarf der Produktion, lange Transportwege und darauf hin, dass Arbeitsbedingungen in der Weiterverarbeitung nicht automatisch geregelt sind. Denn die Faser ist nur der erste Schritt. Spinnen, Weben, Färben und Nähen passieren oft in anderen Ländern und bei anderen Firmen.

Deshalb lohnt es sich, auf zusätzliche Siegel für das fertige Kleidungsstück zu achten. OEKO-TEX-Siegel sagen etwas über Schadstoffprüfungen und, je nach Label, über die Produktion aus. Der staatliche Grüne Knopf prüft zusätzlich, ob Unternehmen Verantwortung in ihren Lieferketten übernehmen. Einen Überblick über alle Textilsiegel findest du in unserer Rubrik Siegel & Labels.

Woran erkennst du echtes Tencel?

Da TENCEL™ eine geschützte Marke ist, sollte auf dem Etikett oder Hangtag „TENCEL™ Lyocell“ oder „TENCEL™ Modal“ stehen, meist mit dem ™-Zeichen. Steht nur „Lyocell“ oder „Modal“ auf dem Pflegeetikett, kann die Faser auch von einem anderen Hersteller stammen. Das muss nicht schlecht sein, du weißt dann aber weniger über Herkunft und Herstellung.

Lenzing setzt nach eigenen Angaben eine Tracing-Technologie mit einem molekularen Marker ein, mit der sich die Fasern auch im fertigen Produkt identifizieren lassen. Für dich als Käufer:in ist das nicht direkt sichtbar, es hilft aber Marken und Händlern, Etikettenschwindel zu vermeiden.

Achte außerdem auf den Anteil: „Mit Tencel“ kann auch bedeuten, dass nur ein kleiner Teil des Stoffs aus Tencel besteht. Die genaue Zusammensetzung in Prozent findest du auf dem eingenähten Etikett.

Tencel waschen und pflegen

Tencel ist pflegeleichter als Seide, braucht aber etwas mehr Aufmerksamkeit als robuste Baumwolle. Diese Tipps haben sich bewährt:

  • Pflegeetikett zuerst: Die meisten Teile vertragen 30 °C im Schon- oder Feinwaschgang. Mischgewebe können andere Vorgaben haben.
  • Trommel nicht überladen: Weniger Reibung bedeutet weniger Fibrillation und weniger Knitterfalten.
  • Mildes Waschmittel: Ein Feinwaschmittel ohne Bleiche schont Fasern und Farben.
  • Langsam schleudern: Eine niedrige Schleuderzahl reduziert Falten.
  • Nicht in den Trockner: Hänge die Teile feucht auf einen Bügel. Viele Falten glätten sich dann von allein.
  • Bügeln mit wenig Hitze: Wenn nötig, auf niedriger Stufe von links oder mit einem Tuch dazwischen.

Tencel-Bettwäsche und Handtücher vertragen je nach Hersteller auch höhere Temperaturen. Auch hier gilt: Das Etikett entscheidet.

Für wen lohnt sich Tencel?

Tencel ist eine gute Wahl, wenn du Kleidung suchst, die sich weich und kühl anfühlt, gut Feuchtigkeit aufnimmt und im Sommer angenehm zu tragen ist. Besonders sinnvoll ist die Faser bei Blusen, Kleidern, Unterwäsche und Bettwäsche. Wenn dir Nachhaltigkeit wichtig ist, greif zu Teilen mit möglichst hohem Tencel-Anteil statt zu Mischungen mit Polyester und achte auf Siegel für die Weiterverarbeitung. Weitere Fasern im Vergleich findest du in unserem Materiallexikon.

Häufige Fragen

Was für ein Material ist Tencel?

Tencel ist der Markenname von Lenzing für Cellulosefasern aus Holz, vor allem Lyocell und Modal. Es handelt sich um Regeneratfasern: Der Rohstoff ist natürlich, die Faser wird industriell hergestellt.

Was ist der Unterschied zwischen Tencel und Lyocell?

Lyocell ist die Fasergattung, TENCEL™ Lyocell ist die Lyocellfaser des Herstellers Lenzing. Jedes TENCEL™ Lyocell ist Lyocell, aber nicht jedes Lyocell kommt von Lenzing.

Was ist der Unterschied zwischen Tencel und Viskose?

Beide bestehen aus Holzcellulose. Viskose entsteht in einem mehrstufigen Verfahren mit Schwefelkohlenstoff, TENCEL™ Lyocell dagegen durch direktes Lösen in NMMO, das zu mehr als 99,8 % zurückgewonnen wird. Lyocell ist zudem nass reißfester.

Ist Tencel besser als Baumwolle?

Das hängt vom Einsatz ab. Tencel ist weicher, fließender und nimmt Feuchtigkeit gut auf, Baumwolle ist robuster und leichter zu pflegen. Ökologisch hängt der Vergleich stark davon ab, ob die Baumwolle bio oder konventionell ist.

Welche Nachteile hat Tencel-Stoff?

Tencel kann bei falscher Wäsche fibrillieren und einen weißlichen Schimmer bekommen, knittert je nach Stoff leicht und ist teurer als Viskose oder konventionelle Baumwolle. In Mischgeweben mit Polyester geht die Kompostierbarkeit verloren.

Ist Tencel für Allergiker:innen geeignet?

Viele Menschen empfinden Tencel als hautfreundlich, weil es glatt ist und Feuchtigkeit gut aufnimmt. Eine medizinische Garantie gibt es aber nicht. Wenn du auf Schadstoffe achten willst, hilft zusätzlich ein Schadstoffsiegel wie OEKO-TEX STANDARD 100.

Quellen

  1. Lenzing: TENCEL™ Markenseite
  2. Lenzing: TENCEL™ Lyocell
  3. Lenzing: TENCEL™ Modal
  4. Lenzing: Fiber Technologies (Lyocell, Modal, Viskose, REFIBRA™)
  5. chemie.de: EU-Umweltpreis 2000, Lenzing Lyocell als Sieger ausgezeichnet
  6. Utopia.de: Lyocell/Tencel, das ist das Besondere an dieser Faser
  7. Glore: Materiallexikon TENCEL™ / Lyocell
Redaktion EFB Magazin
Unabhängig recherchiert, mit Quellen belegt. Mehr zu unserer Arbeitsweise: Redaktion & Methodik.

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